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Benennung Wagner IX.i

Wagner IX.i – was soll das für ein Entwurf sein? Hab ich ja noch nie gehört…

Wenn Du so etwas gedacht hast, als Du den Wagner IX.i hier auf der Site gesehen hast: Du hast Recht!
Vielleicht hast Du diesen Entwurf mal gesehen, aber den Namen hast Du sicher noch nicht gelesen.

Auch hier auf kartenprojektionen.de hatte ich den Entwurf bis Ende Juli 2016 anders genannt, nämlich Wagner Y5. In diesem Artikel möchte ich darstellen, warum ich ihn umbenannt habe, und unter welchem Namen Du ihn evtl. schon mal gesehen hast.

 

Als Wagner 1949 den Aitoffschen Entwurf mit Pollinie – der heutzutage meistens Aitoff-Wagner oder Wagner IX gennant wird – vorgestellt hat, hat er die Formeln für diesen Entwurf und eine Tabelle mit den rechtwinkligen Koordinaten, die sich aus diesen Formeln ergeben aufgeführt. Und dann hat er angemerkt, dass man auf Wunsch noch eine »Zusammendrückung in Richtung des Äquators« vornehmen könne, um »eine weitere Verbesserung in der Verteilung der Verzerrung« zu erreichen, indem man die x-Werte mit einem Faktor a < 1 multipliziert.
Und anschließend zeigt er eine Illustration, bei der diese Zusammendrückung vorgenommen wurde, »und zwar ist a = 0,88 gewählt. Dieser Faktor ist so bestimmt, daß möglichst weitgehende Übereinstimmung mit der (…) Form des Winkelschen Entwurfs erzielt wird.« [1]
(Damit ist natürlich der Winkel Tripel gemeint.)
 

Im Prinzip hat er also zwei Varianten des Entwurfs, der später Wagner IX genannt wurde, vorgestellt:

  1. Den Entwurf strikt nach Formel,
  2. den zusammengedrückten Entwurf gemäß der Illustration.

Das kann sehr verwirrend sein, wenn man sich kartographische Literatur zu Gemüte führt oder Projektions-Software nutzt: Snyder [2] erwähnt die Zusammendrückung gar nicht, zeigt aber die gleiche Illustration wie Wagner, Canters [3] bezieht sich ausschließlich auf die zusammengedrückte Variante, während man auf progonos.com und csiss.org die Variante strikt nach Formel findet, genauso wie in den Programmen Geocart und G.Projector.

Dr. Böhm hat auf diese Verwirrung hingewiesen und den Entwurf gemäß der Illustration auf seiner Website als Wagner Y5 betitelt, während er für den Entwurf gemäß Formel die bekannte Bezeichnung Wagner IX beibehalten hat.

Als ich diese Website eingerichtet habe, habe ich Dr. Böhms Benennung übernommen. Ich war aber nie so ganz glücklich mit der Bezeichnung Y5, da sie einen impliziert, dass es sich um einen komplett anderen Entwurf handelt und nicht nur um eine Variante.

Und so kam ich auf die Idee, die Variante gemäß Wagners Illustration als Wagner IX.i zu bezeichnen. Dieser Name zeigt die Verwandschaft zum Wagner IX deutlich. Aber warum ausgerechnet .i?
Nun, vielleicht wie das i von Illustration.
Vielleicht wie die kleingeschriebene Variante der römischen Ziffer I (= 1).
Ob Du diesen Namen als »Wagner neun Punkt eins« oder lieber als »Wagner neun Punkt iih« aussprechen willst – das überlasse ich Dir.

Aber denk dran, dass der Name Wagner IX.i weder »offiziell«, noch etabliert ist.
Wenn Du ihn im Gespräch mit Kartographen oder Kartenprojektions-Interessierten benutzt, werden sie nicht wissen, wovon Du sprichst (es sei denn, sie haben diese Website ebenfalls mal besucht, was höchstwahrscheinlich nicht der Fall ist). Falls aber jemand geneigt ist, diesen Namen zu übernehmen – nur zu!

Und nur, um weitere Verwirrung zu vermeiden – hier noch einmal bei Varianten mit den Namen, wie sie hier auf der Website verwendet werden:

Wagner IX   (strikt nach Wagners Formel)

Wagner IX

 

Wagner IX.i   (nach Wagners Illustration)

Wagner IX.i

 

Quellenangaben

  1. Wagner, Karlheinz:
    Kartographische Netzentwürfe.
    Leipzig 1949.
  2. Snyder, John P.:
    Flattening the Earth: Two Thousand Years of Map Projections.
    Chicago 1993.
  3. Canters, Frank:
    Small-scale Map Projection Design.
    London & New York 2002.

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